Atari ANTIC

Der Alphanumeric Television Interface Controller (ANTIC) ist ein Mikroprozessor des US-amerikanischen Herstellers Atari, der verschiedene Aufgaben hauptsächlich im Bereich der Grafikzeugung übernimmt. Er wurde eingesetzt in den Heimcomputern Atari 400, Atari 800, den Modellen der XL- und XE-Reihe sowie in der Spielekonsole Atari 5200.
Der ANTIC kann wie der 6502-Hauptprozessor auch per Direct Memory Access (DMA) auf den gesamten Arbeitsspeicher zugreifen, etwa um die für ihn bestimmten Programmanweisungen und Daten auszulesen. Bei diesen Zugriffen wird gleichzeitig der Hauptprozessor angehalten, wobei die Haltedauer je nach Umfang und Art der Bilderzeugung bis zu 36 Prozent der sonst möglichen maximalen CPU-Ausführungszeit betragen kann.
Obgleich der ANTIC nur über wesentlich weniger komplexe Anweisungen als der 6502-Mikroprozessor verfügt, bietet er doch eine Fülle von Möglichkeiten zum benutzerdefinierten Erstellen des Bildinhaltes. Die dazu benötigte Anweisungsliste Display List mit Leerzeilen-, Sprung- und Anzeigebefehlen ist durch das Betriebssystem des Computers oder den Benutzer zuvor im Arbeitsspeicher zu hinterlegen. Mithilfe der Anzeigebefehle kann pro Bildschirmzeile eine der vordefinierten Text- und Punktgrafikstufen gewählt werden. Diese ANTIC-Darstellungsmodi sind dabei pro Zeile frei wählbar, wodurch sie vertikal beliebig gemischt werden können. Die Auflösung der Textstufen reicht von 20 bis zu 40 Zeichen pro Zeile, die der Grafikstufen von 40 × 24 bis zu 320 × 192 Pixel (Buchstabenwort aus dem englischen Picture Cell, zu deutsch etwa Bildpunkteblock). Daneben ermöglicht der ANTIC bei Erreichen oder Verlassen bestimmter Bildschirmpositionen, d. h. synchron zum Bildaufbau, die Ausführung von CPU-Unterprogrammen durch den Display List Interrupt, einen nicht-maskierbaren Interrupt. Damit können insbesondere zeitabhängige Manipulationen am Bildschirm vorgenommen werden, wozu beispielsweise das Scrolling, die weiche Feinverschiebung gehört.
Nach dem Laden der Bildinformationen verarbeitet und überträgt der ANTIC die Daten bildpunktweise an einen zweiten Baustein, den CTIA beziehungsweise GTIA. Dieser ergänzt weitere Bildbestandteile, generiert die eigentliche Fernsehausgabe und aktiviert danach wieder den ANTIC zur Erstellung des nächsten Bildpunktes usw.
Atari 400 · Atari 800 · Atari 1200XL · 1400XL∗ · Atari 1450XLD∗ · Atari 600XL · Atari 800XL · Atari 130XE · Atari 65XE · Atari 800XE · Atari XEGS
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Atari 850 (Schnittstelleneinheit) · Atari 1064 (Speichererweiterung für Atari 600XL) · Atari 1090∗ (Erweiterungseinheit)
ANTIC · CTIA · GTIA · FREDDIE · POKEY · SALLY

Carl Gunnarsson

Carl Gunnarsson (* 9. November 1986 in Örebro) ist ein schwedischer Eishockeyspieler, der seit Juni 2014 bei den St. Louis Blues in der National Hockey League unter Vertrag steht.

Carl Gunnarsson begann seine Karriere in seiner Heimatstadt in der Jugend des Örebro HK, für dessen Profimannschaft er in der Saison 2003/04 sein Debüt in der HockeyAllsvenskan gab, wobei er in seinem Rookiejahr in 43 Spielen auf vier Assists kam. Anschließend wechselte der Verteidiger zum Linköpings HC, für den er in der folgenden Spielzeit nur im Nachwuchsbereich eingesetzt wurde. In der Saison 2005/06 spielte Gunnarsson erstmals in der Elitserien, wobei er in 14 Spielen punkt- und straflos blieb. Zudem lief er in dieser Spielzeit in 12 Partien für den Zweitligisten IFK Arboga auf.
In den Jahren 2007 und 2008 wurde Gunnarsson jeweils Vizemeister mit Linköpings, wobei er in der Saison 2006/07 auch 15 Mal für VIK Västerås HK in der HockeyAllsvenskan auflief. In der Saison 2008/09 stand der Linksschütze in allen vier Gruppenspielen für seine Mannschaft in der neugegründeten Champions Hockey League auf dem Eis.
Am 3. Juni 2009 wurde der Schwede von den Toronto Maple Leafs aus der National Hockey League unter Vertrag genommen, die ihn zuvor im NHL Entry Draft 2007 in der siebten Runde als insgesamt 194. Spieler ausgewählt hatten.
Nach vier Jahren in Toronto gaben ihn die Maple Leafs im Juni 2014 samt einem Viertrundenwahlrecht für den NHL Entry Draft 2014 an die St. Louis Blues ab, die im Gegenzug Roman Polák nach Toronto transferierten.
Für Schweden nahm Gunnarsson an der U18-Junioren-Weltmeisterschaft 2004, sowie den Weltmeisterschaften 2009 und 2010 teil.
Stand: Ende der Saison 2014/15
Torhüter: Jake Allen | Brian Elliott  Verteidiger: Robert Bortuzzo | Jay Bouwmeester | Joel Edmundson | Carl Gunnarsson | Colton Parayko | Alex Pietrangelo (A) | Kevin Shattenkirk  Angreifer: David Backes (C) | Patrik Berglund | Kyle Brodziak | Troy Brouwer | Robby Fabbri | Dmitrij Jaškin | Jori Lehterä | Steve Ott | Magnus Pääjärvi-Svensson | Ryan Reaves | Jaden Schwartz | Paul Stastny | Alexander Steen (A) | Wladimir Tarassenko | Scottie Upshall  Cheftrainer: Ken Hitchcock  Assistenztrainer: Kirk Muller | Ray Bennett | Brad Shaw   General Manager: Doug Armstrong

Erzbistum Bari-Bitonto

Das Erzbistum Bari-Bitonto (lat.: Archidioecesis Barensis-Bituntinus, ital.: Arcidiocesi di Bari-Bitonto) ist eine in Italien gelegene Erzdiözese der römisch-katholischen Kirche mit Sitz in Bari.
Das Bistum Bari entstand im 4. Jahrhundert und wurde im 6. Jahrhundert zum Erzbistum erhoben. Am 30. September 1986 wurde es durch Papst Johannes Paul II. mit dem Bistum von Bitonto zum Erzbistum Bari-Bitonto vereinigt.
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Kirchenprovinz Bari-Bitonto: Erzbistum Bari-Bitonto | Erzbistum Trani-Barletta-Bisceglie | Bistum Altamura-Gravina-Acquaviva delle Fonti | Bistum Andria | Bistum Conversano-Monopoli | Bistum Molfetta-Ruvo-Giovinazzo-Terlizzi
Kirchenprovinz Foggia-Bovino: Erzbistum Foggia-Bovino | Erzbistum Manfredonia-Vieste-San Giovanni Rotondo | Bistum Cerignola-Ascoli Satriano | Bistum Lucera-Troia | Bistum San Severo
Kirchenprovinz Lecce: Erzbistum Lecce | Erzbistum Brindisi-Ostuni | Erzbistum Otranto | Bistum Nardò-Gallipoli | Bistum Ugento-Santa Maria di Leuca
Kirchenprovinz Tarent: Erzbistum Tarent | Bistum Castellaneta | Bistum Oria

Sauna

Eine Sauna (Plural Saunen/Saunas; finnisch sauna; auch Schwitzstube oder finnisches Bad genannt) ist ein auf eine hohe Temperatur erwärmter Raum oder eine Raumgruppe, worin ein Schwitzbad genommen wird. Eine Saunaanstalt ist häufig an ein öffentliches Schwimmbad oder ein Fitnessstudio angeschlossen und kann mit anderen Einrichtungen wie Dampfbädern oder einem Warmluftbad kombiniert sein.

Der Saunaraum, der innen meistens aus Holz besteht, wird mit einem Saunaofen auf eine Temperatur zwischen 80 °C und 100 °C, seltener auch bis zu 130 °C erhitzt. Statt Holz- und Ölöfen werden heutzutage meist elektrische Öfen verbaut, weil diese einfach und problemlos im Betrieb sind.
Die Sitzbänke sind in zwei bis drei Stufen in einer Höhe von 0,5 bis 1,5 m angeordnet, wobei die Temperatur nach oben hin deutlich zunimmt. Wichtig in einer Sauna ist die Luftzirkulation, es wird also kontinuierlich Frischluft zugeführt, die vom Ofen sofort aufgeheizt wird, so dass die Temperatur im Raum konstant bleibt. Der ursprüngliche Sinn der Sauna war der einer gründlichen Reinigung des Körpers, so heißt es in Finnland: „Die Frauen sind am schönsten nach der Sauna“. Saunieren wirkt sich aber auch positiv auf das vegetative Nervensystem und das allgemeine Wohlbefinden aus und hat einen stärkenden Effekt auf das Immunsystem, dient damit also insbesondere auch der Abhärtung gegen Erkältungskrankheiten. Auch das Hautbild kann sich durch Saunagänge verbessern.
Um die Luftfeuchtigkeit und damit die gefühlte Temperatur in der Sauna zu erhöhen, wird Wasser auf die heißen Steine gegossen, die auf dem Saunaofen liegen: Das wird als Aufguss bezeichnet. Damit wird der löyly [gesprochen: löülü] erzeugt (löyly ist ein finnisches Wort, das den durch den Aufguss in der Sauna entstehenden Wasserdampf beschreibt). Die Zugabe von ätherischen Ölen in den Aufguss sowie das Verteilen des Dampfes durch Luftschläge mit einem Handtuch sind im deutschsprachigen Raum und in Russland weit verbreitet, in Finnland dagegen selten, teilweise auch verpönt.
Neben häufig verwendeten Saunen zum Einbau im Innenbereich und Saunahütten zum Aufbau im Freien gibt es auch seltener verwendete Schwitzzelte, Infrarotsaunen und Mobilsaunen.
Folgende Wärmequellen kommen für eine Sauna in Frage:
Der Besuch einer Sauna wird saunieren oder saunen genannt. Er dient der körperlichen Erbauung, der Gesundheit, der Körperreinigung und der Verbesserung des Wohlbefindens. Saunabaden bzw. der Saunabesuch kann auch ein gesellschaftliches Ereignis sein; man trifft sich in der Sauna. Damit kann das heutige Saunabaden zum allgemeinen Wohlfühlen beitragen.
Bezüglich Geschlechtertrennung und Bekleidung in der Sauna existieren erhebliche nationale Unterschiede (siehe Sauna in anderen Ländern). Im deutschsprachigen Raum und in Skandinavien einschließlich Finnland werden Saunen in der Regel nackt betreten; Ausnahme sind die sogenannten Textilsaunen. In vielen anderen Ländern, vor allem im romanischen Sprachraum, ist nackt saunieren unüblich oder sogar verboten.
In den meisten Ländern herrscht Geschlechtertrennung, insbesondere dort, wo nackt sauniert wird. Im deutschsprachigen Raum ist dagegen die Mehrheit der öffentlichen Saunen gemischtgeschlechtlich, teilweise existieren für Frauen, seltener für Männer, separate Zonen oder Tage.
In Fällen, in welchen die Betreiber der Sauna Menschen aus sexueller Motivation gezielt als Kundschaft haben wollen, spricht man von einer Kontaktsauna oder auch einem Saunaclub. In den meisten Saunen ist jedoch allzu offenes sexuelles Verhalten sowohl von den Betreibern als auch von der Mehrheit der Saunagäste unerwünscht und kann zu einem Hausverbot führen.
In den skandinavischen Ländern, wie auch im russischen Raum – dort Banja genannt – hat die Sauna eine enorme Bedeutung bei der Pflege sozialer Kontakte. Unter Geschäftsleuten ist es üblich, sich in der Sauna zu treffen und dort geschäftliche Entscheidungen zu fällen. Über Gesamtskandinavien betrachtet, nimmt diese Bedeutung der Sauna jedoch nach Südwesten hin stark ab und hat insbesondere im südlichen Norwegen keinen höheren Stellenwert mehr als beispielsweise in Deutschland.
Sowohl in der Sauna als auch in der russischen Banja beliebt ist die Mitnahme von Büscheln, meistens aus Birkenzweigen (finn.: Vihta bzw. Vasta, russ.: Wenik), mit denen der gesamte Körper „abgeschlagen“ wird, um die Blutzirkulation anzuregen. Diese Zweige sind, im Gegensatz zu Birkenruten, nicht entblättert und erzeugen somit keinen Schmerz. Im Sommer werden oft frische Zweige verwendet, im Winter dagegen entweder Zweige, die im Frühsommer getrocknet wurden oder tiefgefrorene Büschel, die es in finnischen Supermärkten zu kaufen gibt. Getrocknete Zweige werden vor dem Gebrauch in heißem Wasser eingeweicht. Das daraus entstandene Wasser eignet sich als aromatisierter Aufguss.
Das Saunieren soll vor allem der Abhärtung gegen Erkältungskrankheiten dienen und kann auch bei einigen Erkrankungen als therapeutische Anwendung genutzt werden, beispielsweise bei Störungen des vegetativen Nervensystems. Auch bei Arthrose oder chronischen Rückenschmerzen können Symptomlinderungen auftreten.
Die Erhöhung der Körpertemperatur auf bis zu 39 °C während der Schwitzphase (künstliches Fieber) bewirkt innerhalb des Körpers dasselbe, was auch ein echtes Fieber bewirkt, nämlich eine erhöhte Aktivität von Immunzellen wie neutrophilen Granulozyten, Makrophagen und Lymphozyten, die für die Infektabwehr wichtig sind.
Die Abfolge von Hitze mit dem anschließenden Kaltbad entspannt die Muskulatur und hat neben einigen physiologischen Effekten wie einer kurzfristigen starken Steigerung des Blutdrucks, Anregung des Kreislaufs, des Stoffwechsels, des Immunsystems und der Atmung vor allem auch eine wohltuende Auswirkung auf das subjektive Wohlbefinden.
Saunabaden dient auch der Hautpflege und verlangsamt die Hautalterung; unmittelbar nach dem Betreten des Saunaraumes reagiert die Haut, die Blutgefäße weiten sich, die Durchblutung nimmt zu und die Oberflächentemperatur steigt nach etwa 15-minütigem Aufenthalt auf 40–42 °C an; in der Abkühlphase verengen sich die Blutgefäße dann wieder durch Kaltwasseranwendungen (Gefäßtraining).
Das Schwitzen sowie die wiederholten Wasseranwendungen bewirken außerdem eine sehr gründliche, aber schonende Körperreinigung; die oberste Hornschicht der Haut quillt auf, verhornte Hautzellen lockern sich und können leicht abgespült werden. Bei sehr trockener Haut wird die Struktur durch Aktivierung der Schweißdrüsen und Wassereinlagerungen in die Hornschicht verbessert.
Menschen mit Entzündungen, mit akuten Infektionskrankheiten, mit Herz-Kreislauf-Krankheiten, mit Venenthrombosen oder Krampfaderleiden wird im Allgemeinen vom Besuch einer Sauna, eines Hammāms, einer Banja oder eines Dampfbades abgeraten. Gegebenenfalls sollten ältere Menschen ihren Hausarzt befragen.
Saunieren während der Schwangerschaft ist weiterhin möglich.
Bei Sportlern sind die oben beschriebenen Auswirkungen ausgeprägter als bei Nicht-Sportlern. Die Frage bleibt allerdings offen, ob das an der Erhöhung der Körpertemperatur, am Abkühlen danach oder an dieser Form des Wechselbades liegt.

(auch Nebelbad) ist eine Variante der Sauna mit niedrigerer Temperatur und höherer Luftfeuchtigkeit.
Dampfbäder wiederum gibt es in verschiedenen Formen:
Im feuchten Warmluftbad, auch Biosauna genannt, herrschen niedrigere Temperaturen als in der klassischen (finnischen) Sauna, in der Regel etwa 45–60 °C bei einer Luftfeuchtigkeit von ca. 40–55 Prozent. Sie gilt als kreislaufschonender und wird häufig kombiniert mit Zugabe von ätherischen Ölen oder spezieller Beleuchtung (Lichttherapie). Die Verweildauer ist höher als in der normalen Sauna, ca. 15–30 Minuten, ansonsten ist der Ablauf der gleiche.
Der Begriff Textilsauna bezieht sich auf die Kleiderordnung in der Sauna und sagt zunächst nichts über die Art der Sauna selbst aus. In Textilsaunen wird Badekleidung getragen. Textilsaunen sind bevorzugt in Schwimmbädern anzutreffen, oft handelt es sich um Dampfsaunen. Textilsaunen haben den Vorteil, dass sie sich ohne zusätzliche Umkleideräume leicht in den normalen Badebetrieb integrieren lassen. In den USA und Asien ist die Textilsauna die übliche Art der Sauna. In Südeuropa und Frankreich sind Nacktsaunen nur geschlechtergetrennt üblich.
Das Thema Textilsauna oder Nacktsauna wird in Deutschland unter Saunagängern oft kontrovers und emotional diskutiert, auch weil fundierte wissenschaftliche und medizinische Untersuchungen fehlen.
Hauptargumente von Nacktsauna-Befürwortern:
Hauptargumente von Textilsauna-Befürwortern:
Die Verhaltensweisen in einer Sauna können sich von Land zu Land stark unterscheiden. Auch die Frage, ob das Saunieren in einer öffentlichen oder in einer privaten Sauna stattfindet, spielt eine Rolle. Während beispielsweise die Körperreinigung in einer finnischen Privatsauna im Saunaraum selbst erfolgen kann, wird dieser Vorgang in einer öffentlichen Sauna aus hygienischen Gründen unter die Dusche verlegt.
Der Besuch eines Saunabades beginnt mit dem Duschen und gründlichen Abtrocknen; vor dem ersten Saunagang sollte die Hautoberfläche wieder trocken sein, da sonst das Schwitzen verzögert wird.
In der Aufguss-Sauna herrscht eine relativ niedrige Luftfeuchtigkeit: bei 100 °C an der Decke 2–5 Prozent relative Feuchte. Dem Aufgusswasser werden häufig ätherische Öle beigefügt. Im deutschsprachigen Raum wird der Wasserdampf oft mit einem so genannten Wacheltuch verteilt. In Finnland ist dieser Brauch unbekannt und man erreicht dort so eher eine Schichtung der Luft, so dass die Luft auf den unteren Bänken für Kinder und Untrainierte besser geeignet ist.
Größere Saunaanstalten bieten neben der Aufguss-Sauna noch eine Trockensauna (auch Sahara-Sauna genannt) mit höherer Temperatur, geringerer Luftfeuchtigkeit und ohne Aufguss.
Die Saunierenden sitzen bzw. liegen in der Saunakabine weitgehend oder vollständig unbekleidet. Um Verunreinigungen zu verhindern, legt man ein Handtuch unter den Körper, das den Schweiß auffängt. Im Heimatland der Sauna, Finnland, werden auch oft Leinentücher, Einmalunterlagen oder oft gar keine Unterlagen verwendet, da halbwarme feuchte Handtücher oft als unhygienisch empfunden werden. Zum Schutz des Kopfes vor Überhitzung werden vereinzelt Hüte, meist aus Filz, getragen (auch Saunahut genannt).
Auf den insgesamt 8- bis 15-Minuten-Aufenthalt in der Saunakabine folgt zunächst eine kurze Abkühlphase an der frischen Luft, bei der die Lunge besonders gut Sauerstoff aufnehmen kann und die Atemwege rascher wieder abkühlen; dieses Luftbad sollte vor dem Kaltduschen genommen werden.
Es folgt ein kaltes Abduschen des Schweißes, ein kaltes Bad kann dem Schwallguss folgen oder ein Guss mit kaltem Wasser (Kaltduschen): Entweder in einer (Schwall-)Dusche, einem Tauchbecken (Kneipp-Becken), einem Fluss, See oder – falls vorhanden – durch Wälzen im Schnee oder Abreiben mit gestoßenem Eis.
Anschließend sucht man zur Erholung einen Ruheraum oder Tepidarium auf; dabei kann ein individuell unterschiedlich starkes Nachschwitzen einsetzen. Medizinisch sinnvoll sind in der Abkühlphase warme Fußbäder, auch um dem Nachschwitzen entgegenzuwirken.
In der Regel wiederholt man die gesamte Prozedur mit mindestens viertelstündigen Pausen zwei- bis dreimal; mehr als drei Saunagänge bewirken in der Regel keinen höheren Nutzen, können jedoch stark ermüden. In öffentlichen Saunabädern werden in regelmäßigen Abständen Aufgüsse durchgeführt.
Eine empfehlenswerte Einteilung des Saunabesuchs liegt bei
Diese Angaben können jedoch nur als erste Orientierung dienen, jeder Saunabesucher muss seinen eigenen Rhythmus finden. Jeder Tag ist ein anderer, oberste Richtlinie ist die eigene Empfindung. Unerfahrene Saunagänger sollten sich an einen Betrieb mit einem Saunameister wenden.
Die Sauna ist ein elementarer Bestandteil der finnischen Kultur. Die in fast jedem Haus (auch Miets- und Ferienhäusern) vorhandene Privatsauna dient der Entspannung und Körperreinigung. In der traditionellen Form ersetzt die Sauna das Badezimmer, d. h. die komplette Körperreinigung findet dort statt, in modernen Wohnhäusern werden teilweise Badezimmer und Sauna zusammengelegt. Wenn in früherer Zeit ein neues Haus angelegt wurde, wurde zuerst das Saunagebäude errichtet. Die Sauna war der einzige Raum, in dem es heißes Wasser gab, außerdem der sauberste und sterilste, weshalb dort auch die Kinder geboren wurden. Babys werden schon frühzeitig mit in die Sauna genommen, was in Maßen medizinisch unbedenklich ist.
In freistehenden Wohnhäusern ist die Sauna manchmal im Keller untergebracht, in älteren Häusern in einem gesonderten Gebäude, das meist auch einen Ruheraum, einen Schuppen und evtl. eine Außentoilette beinhaltet. In Mehrfamilienhäusern gibt es häufig eine Gemeinschaftssauna, die sich die Mieter nach einem Saunaplan teilen. In den 1990er Jahren ist man zunehmend dazu übergegangen, auch in kleinen Wohnungen eine kleine Sauna ins Bad mit einzubauen. In Mehrfamilienhäusern wird die Sauna in der Regel elektrisch beheizt. Allerdings schwören die Finnen weiterhin auf eine traditionelle Beheizung mit Holz.
Eine traditionelle Form der finnischen Sauna ist die Rauchsauna (finn. savusauna). Hier wird ein großer Steinhaufen über mehrere Stunden, zumeist den ganzen Tag lang mit großen Holzscheiten aufgeheizt, wobei sich der Rauch im Saunaraum selbst ausbreitet. Die unterste und oberste Steinschicht besteht aus dünnen, flachen Steinen um die Holzscheite zu tragen. Alternativ wurden früher auch alte Ölfässer oder Eisenstangen verwendet. Wenn das Feuer erloschen ist, wird die Asche weggeräumt, der Rauch zieht durch eine Öffnung in der Decke oder verschließbaren Abzugsrohren ab, manchmal wird der Ruß von den Sitzbänken abgewischt. Nun erfolgt ein starker erster Aufguss, durch den der restliche Rauch aus der Sauna „getrieben“ wird. Jetzt kann die Sauna für mehrere Stunden benutzt werden. Der Steinhaufen heizt dabei den Saunaraum weiter auf und dient gleichzeitig als kiuas (Steinhaufen für den Aufguss). Der Aufgussdampf breitet sich durch das große Steinvolumen sehr „weich“ in den Raum aus.
In Finnland gibt es keine festen Zeitdauern für die Länge eines Saunaganges oder der Pausen. Es reicht vom schnellen fünfminütigen Saunagang zwischendurch bis zum regelrechten stundenlangen Saunamarathon. Zudem sind die Saunagänge und die Pausen abhängig von der Temperatur in und außerhalb der Sauna sowie vom sozialen Geschehen um die Sauna herum. Prinzipiell unbekannt ist in der finnischen Sauna ein Bademeister, in öffentlichen Saunen höchstens zum An- und Ausschalten oder zum Brennholz nachlegen. Denn das richtige Maß für einen Aufguss kennt nur der Saunierende. Den Aufguss macht in der Regel derjenige, der neben dem Aufgusseimer sitzt, oft auf der obersten Bank, wo die Temperatur am besten eingeschätzt werden kann. In aller Regel wird das ungeschriebene Gesetz „sillä puheet kenellä kuuppa“ befolgt, was frei übersetzt so viel heißt wie „wer die Kelle hat, hat das Wort“. Alle paar Minuten wird Wasser aufgegossen, so dass ausreichend Dampf und Hitze entsteht, was das Wedeln mit dem Handtuch überflüssig macht. Im Übrigen gilt es in Finnland als höflich, wenn ein frisch in den Saunaraum Eintretender eine Kelle Wasser über die Steine wirft, um den durch das Öffnen der Türe entstandenen Wärmeverlust dem Empfinden nach auszugleichen. In der Öffentlichkeit und bei größeren Familien praktizieren die Finnen in der Regel Geschlechtertrennung. Bei größeren Familienfesten kann es durchaus vorkommen, dass zwischendurch einmal oder auch mehrmals täglich sauniert wird. Traditionell ist auch die Weihnachtssauna am Heiligen Abend, in der man sich für die folgenden Feierlichkeiten reinigt.
Das Zugeben von Duftölen zum Aufgusswasser ist regional unterschiedlich stark verbreitet, mancherorts eher verpönt und nicht in die finnische Sauna gehörend. Verbreiteter ist eher das Hinzufügen von Duftölen direkt in die Schöpfkelle für einen Wasserwurf sowie das Mitnehmen von Birkenzweigen und Bier in die Sauna. Ein beliebter Duft ist der von Teer, so dass es nach dem Aufguss nach dem Inneren eines alten Segelschoners riecht. Das leichte ‚Peitschen‘ der Haut mit Birkenzweigen hat einen massageähnlichen anregenden Effekt, zudem wird dadurch ein angenehmer Birkenduft verbreitet. Die Birkenblätter geben beim Peitschen eine Substanz ab, die eine leichte seifenartige Wirkung ausübt. In Westfinnland heißen die Birkenbüschel vihta und in Ostfinnland vasta, wobei die jeweilige Bevölkerungsgruppe scherzhaft-verbissen die Überzeugung pflegt, dass allein „ihre“ Bezeichnung die einzig korrekte ist. Die Büschel werden nach Mittsommer gesammelt (zu junge Zweige sind klebrig) und trocken gelagert oder es werden frische tiefgefrorene Büschel aus dem Supermarkt verwendet. Manchmal werden sie auch getrocknet und für die Anwendung in der Sauna in heißem Wasser gebrauchsfertig gemacht. In Estland werden für den gleichen Zweck oft Wacholderzweige verwendet, die Nadeln prickeln und können als leicht schmerzhaft empfunden werden.
Nach jedem Saunagang erfolgt das Abkühlen an der frischen Luft oder unter der Dusche. Wenn möglich, wird auch gerne ein Bad im See genommen oder sich im Schnee gewälzt. Die Abkühlphase dauert so lange, bis man sich für den nächsten Saunagang bereit fühlt. Trinken zwischen den Saunagängen ist üblich. Bier, Saft oder Limonade werden bevorzugt.
Nach dem letzten Saunagang erfolgt die Körperreinigung, entweder in der Sauna selbst oder einer danebenliegenden Dusche. Die Dauer eines kompletten Saunabesuches ist sehr individuell und liegt oftmals zwischen ein und drei Stunden.
Große Bedeutung hat in Russland die dortige Variante der Sauna, die Banja. Auch dort ist es bei Geschäftsleuten und Politikern beliebt, sich hier zu beraten und Entscheidungen zu treffen. So trifft man außerhalb Russlands auch häufig Russen in den öffentlichen Saunaanlagen an, wo sie untereinander Kontakte in der Diaspora pflegen. Dabei gilt, dass auch die Russen im Allgemeinen, von solchen geschäftlichen oder freundschaftlichen Saunabesuchen abgesehen, das getrennte Saunieren bevorzugen.
In vielen Ländern außerhalb Skandinaviens und des deutschsprachigen Raums ist textilfreies Saunieren insbesondere in gemischten Saunen nicht gestattet, was häufig Verwirrungen beim Besuch einer Sauna im Ausland verursacht. Saunen mit zwingend textilfreiem Besuch finden sich in Finnland, Estland, Lettland, Russland, Schweden und Norwegen (beide meist geschlechtergetrennt), Belgien, den Niederlanden, Luxemburg, Deutschland, Österreich, der deutschsprachigen Schweiz, dem nordöstlichen Italien (Friaul und Südtirol), Slowenien und Kroatien.
Im Vereinigten Königreich, Frankreich und den südeuropäischen Ländern wird beim Saunagang oft Badekleidung getragen. Gemischte Saunen sind selten, in den üblichen getrenntgeschlechtlichen Einrichtungen wird zunehmend textilfreies Saunieren toleriert.
In Spanien sind Saunen noch wenig verbreitet. Es wird strikte Geschlechtertrennung praktiziert, man betritt die Sauna nicht nackt, sondern in Badebekleidung. Die Temperatur in der Sauna ist viel niedriger als in Mittel- und Nordeuropa üblich.
In Brasilien ist das Tragen von Badebekleidung in der Sauna verpflichtend. In Afrika sind Saunen oft weit weniger heiß als in Europa. In Zentralamerika gibt es im südlichen Mexiko und Guatemala eine indigene Form der Sauna, die Temazcal sind jedoch für Einzelpersonen gedacht.
In den Vereinigten Staaten unterscheiden sich die Umgangsformen stark zwischen den einzelnen Bundesstaaten, so gibt es im nördlichen Michigan, Minnesota, Wisconsin und Iowa eine große finnischstämmige Bevölkerung, die die Saunakultur pflegt. In anderen Bundesstaaten hat die Sauna keine Tradition, und wird im Wesentlichen als Zusatzangebot von Fitnessclubs und Wellnesseinrichtungen genutzt. Da sie hier im Regelfall an die Umkleideräume gekoppelt sind, sind sie so nach Geschlechtern getrennt, und es gibt im Allgemeinen keine Regeln zu Textilgebrauch, Handtuchnutzung oder Umgangsformen. Bei den selteneren gemischten Saunen ist allerdings Schwimmkleidung verpflichtend. Aus Gründen der verschärften Haftung in den Vereinigten Staaten sind die meisten Saunen in der Temperatur begrenzt und erlauben keinen Aufguss.
In Australien gibt es Saunas und/oder Dampfbäder zum Beispiel in öffentlichen Schwimmbädern, Hotels und Motels. Diese werden in Badebekleidung benutzt, Aufgüsse sind eher unüblich.
In Korea hat sich eine eigenständige öffentliche Badekultur entwickelt, die konglish 사우나 das westliche Wort „Sauna“ transkribiert hat und in der Verwendung auf Heißdampfbäder hinweist. Ebenso wie in Japan (Sentō) ist der Besuch textilfrei, gemischte Badehäuser sind praktisch nicht existent.
In öffentlichen Saunen sollten einige Dinge beachtet werden:
Der Aufguss ist das Begießen der heißen Steine des Ofens mit kaltem oder heißem Wasser in der Sauna.
Das Wasser verdampft auf den bis zu 500 °C heißen Steinen zu Wasserdampf und erhöht so kurzzeitig die Luftfeuchtigkeit in der Sauna. Ein Platzen der Steine wird durch Verwendung von Lavagestein verhindert, auch erhitztes Wasser trägt dazu bei. Der Dampfstoß, auch „Gluthauch“ oder nach dem finnischen Wort Löyly genannt, steigt durch die Hitze zunächst nach oben an die Decke des Saunaraums. Durch Verwirbeln der Luft mit einem Handtuch kann er gleichmäßig im Saunaraum verteilt werden. Das Anwedeln bewirkt zudem, dass sich die auf der Oberfläche der Haut befindende Luftschicht, die als Isolierung dient, mit warmer Luft verwirbelt und sich dadurch der Körper weiter erhitzt. Der Aufguss verstärkt so das Hitzeerleben der Sauna.
Es kursiert das Argument, dass sich der Wasserdampf beim Verwedeln auf der Haut niederschlägt. Bei den meisten Saunen ist dieser Effekt nicht zu erkennen. Im Dampfbad herrscht dann jedoch 100 % Luftfeuchte, die sich wie ein Nebel auf die Haut legt. Während Schwitzen normalerweise aufgrund der dann möglichen Verdunstung den Körper kühlt, verhindert die aufgussbedingte hohe Luftfeuchtigkeit diese Verdunstung, weshalb durch das Schwitzen auch kein Kühlungseffekt mehr eintreten kann. Deswegen sollten Menschen mit Herzschäden – oder auch nur mit einem schlechten Tag oder nach einer durchzechten Nacht – Aufgüsse meiden. Es gibt von medizinischer Seite unterschiedliche Ansichten über die mit dem Aufguss (in der derzeit praktizierten Form) verbundenen gesundheitlichen Aspekte und etwaigen Risiken.
In einer sehr heißen Sauna kann der Löyly auf den oberen Bänken an der Grenze des ertragbaren Schmerzes sein. Empfindlichen und ungeübten Saunabesuchern wird daher empfohlen, sich während des Aufgusses auf eine der unteren Bänke zu setzen, wo die Luft weniger heiß ist.
Allgemein wird der Aufguss meistens als der Höhepunkt des Saunabadens angesehen. Da ihm eine „zentrale“ Rolle beim Saunabad zukommt, hat er sich zu einer mehr oder weniger ausgefeilten Zeremonie entwickelt. Die Aufgusszeremonie wird in unterschiedlichen Ländern jedoch sehr unterschiedlich zelebriert. Im Folgenden wird die heute (2009) im deutschsprachigen Raum vorherrschende Form des Aufgusses beschrieben.
Für den Aufguss wird ein hölzerner Aufgusskübel mit etwa fünf Litern frischem Wasser gefüllt und ein Aufgusskonzentrat nach Wahl zugegeben. „Klassische“ Düfte sind Nadelhölzer wie Fichte, Eukalyptus, Latschenkiefer, Zitrusdüfte, Menthol oder Minze. Die Düfte wirken entweder anregend oder beruhigend auf den Körper.
In öffentlichen Saunen wird der Aufguss meist von einem Saunameister durchgeführt. Es ist dort unüblich oder sogar verboten, dass Besucher selbst einen Aufguss machen. Die Aufgüsse laufen meist nach dem gleichen Schema ab, nur das Aroma wird variiert.
Zunächst wird meistens frische Luft in den Saunaraum gelassen, indem die Saunatür für kurze Zeit weit geöffnet wird. Anschließend nehmen die Saunabadenden in der Sauna Platz und schwitzen einige Minuten vor, bevor der Aufguss beginnt.
Nicht unüblich ist es, dass Eiswürfel zur Kühlung bestimmter Körperpartien oder gekühlte Fruchtstücke (z. B. Zitrone oder Apfel) gereicht werden.
Während der Aufgusszeremonie wird die Sauna nicht verlassen, da das Öffnen der Tür den Aufgusseffekt stören würde. Besuchern, denen es zu heiß wird, wird empfohlen, sich tiefer zu setzen. Bei echtem Bedarf oder gar gesundheitlichen Problemen (Kreislauf) darf der Saunaraum selbstverständlich verlassen werden. Des Weiteren ist es höflich und der Entspannung förderlich, in der Sauna generell und besonders während des Aufgusses zu schweigen.
Das Aufgusswasser wird mit einem hölzernen Saunalöffel (auch Löylykelle oder Aufgusskelle genannt) portionsweise auf die heißen Steine des Saunaofens gegeben, wo es verdampft. Nachdem etwa ein Drittel des Wassers aufgegossen ist, verwirbelt der Saunameister mit einem Handtuch (das in der Sauna-Fachsprache Wacheltuch genannt wird) den entstandenen Wasserdampf im Saunaraum. Dabei gibt es spezielle Handtuchtechniken: die gängigsten sind das rasche Herumwirbeln des längs gefalteten Handtuchs wie ein Propeller und das „Herunterschlagen“ des Gluthauchs von der Saunadecke auf die Saunagäste. Alternativ kann auch anstelle des Wacheltuchs ein großer Fächer verwendet werden, der die Luftverwirbelung mit wenig Kraftanstrengung ermöglicht.
Das Aufgießen und Wedeln wird meist drei Mal wiederholt. Nach der letzten Aufgussportion und Wedeln ist der Aufguss beendet. Für einen gut gemachten Aufguss gibt es am Ende meistens lobende Worte und/oder einen kleinen Applaus. Wenn möglich, wird nach dem letzten Wedeln noch eine oder zwei Minuten nachgeschwitzt, bevor die Saunabadenden den Saunaraum verlassen, um sich mit frischer Luft und Kaltwasseranwendungen wieder abzukühlen.
Bei privaten Saunen kann der Aufguss im Prinzip genauso, aber von einem der Saunabadenden durchgeführt werden. Da private Saunen meist etwas kleiner sind, ist hier weniger Aufgusswasser notwendig und das Handtuchwedeln kann bedingt durch den kleineren Raum nicht ganz so ausholend erfolgen. Werden bei kleinen Saunen nur wenige Schöpfkellen Aufguss benötigt, so kann das ätherische Öl auch tropfenweise einzeln auf den wassergefüllten Saunalöffel gegeben werden. Keinesfalls darf aber das Öl ohne Wasser auf die Steine gelangen, da es sonst Feuer fangen würde.
In Mitteleuropa ist es üblich, dem Aufgusswasser einige Tropfen ätherischer Öle, im Fachhandel Aufgusskonzentrate oder Saunadüfte genannt, zuzugeben. Nach dem Aufguss entfalten sich die Aromastoffe dann als wohlriechender Duft, zum Schwitzen kommt ein Dufterlebnis hinzu. Die Substanzen werden inhaliert aber auch durch die Haut aufgenommen. Die im Handel erhältliche Parfümöle riechen zwar ähnlich wie ätherische Öle, verdunsten zumeist nicht rückstandsfrei und sind für die Sauna ungeeignet. Angebotene „Duftöle“ können ätherische Öle enthalten oder nur Parfümöle sein. Da die meisten ätherischen Öle leicht entflammbare Substanzen (Terpene etc.) enthalten, dürfen sie nicht direkt auf heiße Saunasteine oder Ofenteile getropft werden. Ätherische Öle wirken hautreizend und nicht jedes ätherische Öl ist für eine Inhalation während des Saunagangs geeignet.
Das Aufgusswasser wird mit Eiswürfeln oder zerstoßenem Eis gemischt. Das Eis schmilzt und verdampft gleichmäßig, ohne teilweise ungenutzt durch die Steine hindurch zu rinnen. Dadurch wird ein stärkerer Effekt erzielt, der so nur durch gleichmäßiges Aufgießen über einen längeren Zeitraum zu erzielen wäre. Es können beliebige ätherische Öle verwendet werden. Denselben Effekt erhält man, indem man Schneebälle auf den Ofen gibt.
Daneben werden auch bei normalen Aufgüssen gerne Eiswürfel oder zerstoßenes Eis zum Einreiben und Lutschen verteilt, was zum Teil ebenfalls „Eis-Aufguss“ genannt wird.
Beim Erlebnis-Aufguss steht der Spaß im Vordergrund, weshalb auch während des Aufgusses geredet werden darf. Häufig werden Witze erzählt oder die Gäste und der Saunameister werfen sich gegenseitig herzlich gemeinte boshafte Kommentare zu. Der Erlebnisaufguss wird gerne auch mit Musik, Obst oder Getränken, Verkleidung des Saunameisters und einer kleinen Geschichte kombiniert.
Mit einer Gießkanne samt Gießbrause wird das Wasser besonders gleichmäßig über die Steine verteilt. Auf diese Weise wird die Oberfläche der Steine besser ausgenutzt, das gesamte Wasser verdampft stoßweise früher und steigert so das Hitzeempfinden.
Beim Honig-Aufguss reiben die Saunabadenden nach dem Vorschwitzen oder dem ersten Aufguss den ganzen Körper mit Honig ein. Der Honig wird durch die Wärme sehr flüssig, duftet gut und zieht in die Haut ein, wo er hautreinigend und pflegend wirkt. Als Aufgussöl sind beim Honig-Aufguss fruchtige Duftrichtungen beliebt.
Im Fachhandel gibt es mittlerweile auch spezielle Honigpasten zum Einreiben, die weitere Zusätze enthalten.
Hier wird der Körper nach dem Vorschwitzen oder dem ersten Aufguss mit Salz eingerieben. Dazu wird entweder grobkörniges Mineralsalz oder gewöhnliches Kochsalz verwendet (wobei der Kopf, der Genitalbereich und offene Wunden ausgespart werden sollten). Das Salz wirkt schweißtreibend und desinfizierend, außerdem wird die Haut durch das Abreiben gepeelt (Salzpeeling).
Als ätherisches Öl sind beim Salzaufguss Nadelhölzer beliebt.
Da beim Abreiben mit Salz immer einiges Salz zu Boden rieselt, wird die Salzanwendung häufiger in Dampfbädern und Hamams angeboten, wo der Schwitzraum wegen der hohen Luftfeuchtigkeit gefliest ist, oder die Saunagäste verlassen zum Abreiben mit Salz die Saunakabine und betreten sie danach wieder.
Bei einer anderen Variante des Salzaufgusses wird Salzwasser aufgegossen, wodurch die Luft mit Salz angereichert werden soll. Das soll sich ähnlich wie bei Seeluft beispielsweise bei Pollenallergikern und Asthmatikern positiv auswirken. Dabei wird jedoch nicht berücksichtigt, dass Salz aus einer Salzlösung nicht mitverdampft, sondern sich auf den Steinen des Saunaofens ablagert. Am Meer findet die Salzanreicherung der Luft durch Salzwasserverwirbelung in der Luft statt, insbesondere bei Wind und Wellengang, ein Effekt, der beim Saunaaufguss aber eher nicht eintritt.
Hier wird während des Aufgusses in kleine Stücke geschnittenes, in einigen Saunen sogar gefrorenes Obst an die Besucher verteilt. Die Früchte werden als willkommene und leckere Erfrischung gegessen und stärken die Badenden für den zweiten Teil des Aufgusses.
Hier wird in die Aufgusskelle eine kleine Menge Bier (ca. ein Schnapsglas voll) mit Wasser gemischt. Dieses Gemisch wird gleichmäßig über die Steine verteilt. Die Sauna wird sofort mit einem angenehmen Aroma nach frisch gebackenem Brot und geröstetem Getreide erfüllt. Das übrige Bier kann von den Besuchern zur Erfrischung während des Saunaganges getrunken werden. Alkohol in der Sauna sollte jedoch auf Grund der Auswirkungen auf den Kreislauf gemäßigt konsumiert werden.
In der finnischen Sauna und im russischen Banja sind ätherische Ölzusätze kaum üblich. Hier wird entweder nur mit Wasser aufgegossen oder mit dem Birkenwasser, in dem zuvor die Birkenbüschel (in Finnland Vihta oder Vasta, in Russland Wenik genannt), die zum Abschlagen der Haut („Quästen“) gebraucht werden, eingeweicht wurden. Es gibt hier auch in öffentlichen Saunen/Banjas selten Saunameister, sondern es ist üblich, dass die Saunabadenden den Aufguss selbst durchführen. Einen Saunabesuch ohne Aufguss gibt es hier kaum und meist wird auch sehr viel Aufgusswasser verwendet.
Während des Wenik-Aufgusses schlagen sich die Saunabadenden den Körper selbst oder gegenseitig mit den Weniks ab, was angenehm erfrischend wirkt und die Blutzirkulation anregt. Außerdem wird die an der Hautoberfläche stehende Luftschicht verwirbelt und dadurch die Schweißproduktion gesteigert.
In Mitteleuropa wird dem Aufgusswasser bei Wenik-Aufgüssen zum Teil Birkenaroma zugesetzt, um den Birkenduft noch zu verstärken.
Prinzipiell gibt es zwei unterschiedliche Arten von Sauna-Meisterschaften: Einerseits Meisterschaften im Saunieren, andererseits Meisterschaften für Sauna-Aufgüsse.
Zwischen 1999 und 2010 wurden im finnischen Heinola jährlich Sauna-Weltmeisterschaften ausgetragen. Nachdem 2010 ein russischer Finalteilnehmer in der Sauna zusammenbrach und starb, verzichteten die Veranstalter auf weitere Austragungen. In Deutschland wird seit 2005 jährlich eine „Offene Deutsche Meisterschaft“ ausgetragen.
Die Weltmeisterschaft für Sauna-Aufgüsse wird seit 2009 ausgetragen. Als Weltmeister gilt der Sieger im Wettbewerb für den „Erlebten Aufguss“. Neben den Weltmeisterschaften gibt es Landes-, Staats- und Europameisterschaften für Sauna-Aufgüsse. Die Weltmeisterschaft 2013 (Sauna World Cup 2013) gewann der Belgier Dirk van Offel. Er setzte sich gegen 35 Teilnehmer aus 23 Nationen durch.
Saunen kann man in Baumärkten, Versandhäusern, im Internet oder in Läden kaufen, die Bäder verkaufen und/oder installieren. Erforderlich ist meist ein Dreiphasenwechselstromanschluss, wie man ihn auch für einen Elektroherd braucht. Dieser wird vom Sicherungskasten zum Aufstellungsort der Sauna verlegt. Ein Saunaofen hat oft eine Leistung von 10 kW. Eine Sauna hat üblicherweise nach 20–30 Minuten Aufheizzeit etwa 70–80 °C.
Im Jahr 2000 gründeten der deutsche Bundesfachverband Schwimmbadtechnik e. V. (BFST) und der Bundesverband Schwimmbad-, Sauna- und Wassertechnik e. V. (BSSW) den Bundesverband Schwimmbad & Wellness e. V. (bsw). Daneben gibt es auch noch den Bundesfachverband Saunabau, Infrarot- und Dampfbad e. V.
Die zweijährlich in Köln stattfindende Messe „Aquanale“ präsentiert sich als europäische und internationale Leitmesse der Branche.
In Deutschland gibt es (Stand 2005) 2.400 öffentliche Saunas, wovon etwas mehr als 500 privat geführt sind. Laut dem deutschen Saunabund sind diese mit etwa 5.100 Saunaanlagen bei Hotels und Pensionen und etwa 3.800 Saunas bei Sportstätten und in Fitnessstudios zu ergänzen. Die Zahl der insgesamt für die deutsche Bevölkerung zur Verfügung stehenden öffentlichen Saunaanlagen kann also mit etwa 10.000 angegeben werden.

Bernie Paul

Bernie Paul (eigentlich Bernd Vondficht, * 12. Februar 1950 in Schweinfurt) ist ein deutscher Sänger und Produzent.

Bernie Paul begann in den 1960er Jahren als Saxophonist in der Combo Seven Up. 1973 wurde er Mitglied der Gruppe Family Child. 1978 erhielt er einen Plattenvertrag bei Ariola und gleich sein erster Hit Lucky erreichte 1978 Platz 6 der deutschen Charts und der österreichischen Hitparade. Im selben Jahr erschien auch eine deutsche Coverversion eines Roy-Black-Liedes. In Dreams kam im Februar 1981 auf Rang 18 in Deutschland.
Seinen größten Hit hatte Paul im Juni 1981 mit dem Oh No No. Dieser Song erreichte den zweiten Platz der deutschen Hitparade. Wencke Myhre sang kurze Zeit später die deutsche Version Oh No No – Du bist nicht mein Typ, das weiß ich genau…. Weitere internationale Versionen dieses Songs gab es von Sacha Distel und von dem finnischen Sänger Kirka. Seine Coverversion von Angel of the Morning, die er zusammen mit der dänischen Sängerin Bo Andersen sang, wurde ebenfalls recht bekannt.
Auch als Songwriter und Produzent ist Bernie Paul sehr erfolgreich. Er schrieb It’s a Real Good Feeling für Peter Kent und produzierte die Single Weil i di mog der Gruppe Relax. Aus seiner Feder stammt der Song Sail Away aus der Beck’s-Werbung und das Lied Mitten ins Herz aus der RTL-Fernsehserie Gute Zeiten, schlechte Zeiten. 1990 wurde sein Lied You for Me and Me for You zum Thema-Song der RTL-Wimbledon-Übertragungen. 2002 erschien Pauls erstes deutschsprachiges Album Einfach Relaxed.

Santa Monica Mountains

Satellitenaufnahme der Santa Monica Mountains
Die Santa Monica Mountains sind eine Bergkette nördlich von Santa Monica im südlichen Kalifornien. Das Gebirge erstreckt sich über 64 km in west-östlicher Richtung von Point Mugu im Ventura County bis zu den Hollywood Hills in Los Angeles. Auf dem Rücken der Bergkette verläuft der Mulholland Drive.
Die höchsten Erhebungen der Santa Monica Mountains sind der Sandstone Peak, auch Mount Allan genannt, mit 948 m, die Tri-Peaks mit 917 m und der Exchange Peak mit 899 m. Das Ökosystem des Gebirges beherbergt eine Vielzahl verschiedener Spezies, unter anderem die Regenbogenforelle und einige wenige Pumas. Ein großer Teil des Gebirges ist Teil des Santa Monica Mountains National Recreation Area, einem National Recreation Area (Erholungsgebiet von Nationaler Bedeutung).
In den Santa Monica Mountains gibt es über 1.000 archäologische Fundstellen, die meisten von den Tongva und den Chumash.
Im Gebirgszug der Santa Monica Mountains befindet sich auch der wohl meist fotografierte Berg Kaliforniens, der Mount Lee, auf dessen Südseite der Hollywood-Schriftzug montiert ist. Die Bergspitze hinter den berühmten Buchstaben erlebte wechselhafte Zeiten. Das filmische Multitalent Mack Sennett, der in über 300 Filmen Regie geführt hatte, als Schauspieler aufgetreten war und als Sänger und Tänzer brilliert hatte, wollte sich hier den Traum von einer riesigen Villa erfüllen. Die Umsetzung des Plans scheiterte schließlich an finanziellen Problemen. Sennett verkaufte das Bergplateau an einen Mann namens Don Lee, der sein Geld mit Autoverkäufen gemacht hatte und eine Fernsehstation betrieb, die erste amerikanische außerhalb New Yorks. Ihm zu Ehren wurde das Areal umbenannt und heißt bis heute Mount Lee. An der höchsten Stelle befindet sich immer noch ein eingezäuntes Areal mit Sendeanlagen und einem Funkturm.

Anschläge am 26. November 2008 in Mumbai

Bei den Anschlägen in Mumbai am 26. November 2008 kam es in der indischen Metropole Mumbai an zehn unterschiedlichen Stellen innerhalb kurzer Zeit zu 17 Explosionen, Angriffen mit Schnellfeuerwaffen und Geiselnahmen. Verübt wurden diese durch etwa zehn Angreifer, die sich in mehrere Gruppen aufgeteilt hatten. Die Terroristen wurden nach heftigen Gefechten zwischen dem 27. und 29. November von der Polizei festgenommen oder erschossen. Nach Angaben der indischen Behörden gab es dabei mindestens 239 Verletzte und 174 Tote. Nur einer der in Pakistan ausgebildeten Täter, Ajmal Kasab, wurde festgenommen. Er wurde am 21. November 2012 durch den Strang hingerichtet.

In Mumbai hatte es seit den Bombenanschlägen am 12. März 1993, durch die 257 Personen getötet wurden, viele weitere Anschläge gegeben. Die Anschläge im Jahr 1993 sollten die Zerstörung der Babri-Moschee in Ayodhya „vergelten“.
Am 6. Dezember 2002, dem 10. Jahrestag der Zerstörung der Babri-Moschee, tötete eine Detonation in einem BEST-Autobus neben der Ghatkopar-Haltestelle zwei Personen und verletzte 28 weitere. Eine Fahrradbombe tötete am 27. Januar 2003, einen Tag vor dem Besuch des Ministerpräsidenten Atal Bihari Vajpayee, neben der Vile Parle-Haltestelle in Mumbai eine Person und verletzte 25 weitere. Im März 2003, einen Tag nach dem zehnten Jahrestag der Bombenanschläge in Bombay, explodierte eine Bombe in einem Zug neben der Mulund-Haltestelle. Zehn Personen starben, 70 wurden verletzt. Am 28. Juli 2003 tötete eine Detonation in einem BEST-Autobus in Ghatkopar vier Menschen, weitere 32 wurden verletzt. Am 25. August 2003 explodierten zwei Bomben in Südbombay, eine neben dem Gateway of India und eine weitere beim Zaveri Basar in Kalbadevi. Mindestens 44 Menschen wurden getötet und 150 wurden verletzt. Am 11. Juli 2006 explodierten sieben Bomben innerhalb von elf Minuten auf der S-Bahn in Bombay. 209 Personen, 22 davon Ausländer, wurden getötet und mehr als 700 verletzt. Nach Angaben der Polizei von Bombay wurden die Bombenangriffe von Lashkar-e-Taiba und den Students Islamic Movement of India (SIMI) ausgeführt.
Eine Gruppe von 24 (nach anderen Quellen 26) Männern wurde für Seekriegsführung bei einem entlegenen Lager im gebirgigen Muzaffarabad, Asad Kaschmir in Pakistan trainiert. Ein Teil des Trainings fand angeblich in einem Lager bei der Mangla-Talsperre statt.
Die Neulinge wurden durch islamistische Propaganda indoktriniert, inklusive Bilder angeblicher Gewalttaten gegen Muslime Indiens, Tschetscheniens und Palästinas. Sie nahmen teil an einem sogenannten Daura Aam-Kurs, der neben einer Methodenlehre der Terrormethodik eine gründliche Gefechtsausbildung anbietet. Ferner nahmen sie in einem Lager neben Mansehra an einem Kurs namens Daura Khaas teil. Eine kleinere Gruppe wurde im Kommandotraining ausgebildet.
Von diesen Studenten wurden zehn für die Anschläge ausgewählt. Ihnen wurde neben dem Einsatz von High-End-Waffen und von Sprengstoffen auch Schwimmen und Segeln beigebracht. Ehemalige Beamte der pakistanischen Armee und der Inter-Services Intelligence sollen regelmäßig bei dem Training geholfen haben. Den Attentätern wurden ferner Baupläne aller vier Zielobjekte gegeben – Taj Mahal Palace & Tower, Trident Oberoi, Nariman House und Chhatrapati Shivaji Terminus.
Am Mittwoch, dem 26. November 2008, wurde in Mumbai am späten Abend nach 21:15 Uhr Ortszeit (Indian Standard Time; entspricht 11:45 p.m. ET) eine Reihe von Anschlägen durchgeführt. Mehrere mit Schnellfeuergewehren, Handgranaten und Sprengstoff bewaffnete kleine Gruppen von Attentätern führten an etwa zehn Orten im südlichsten Teil Mumbais Anschläge unterschiedlicher Art durch. So wurde am Hauptbahnhof (21:24 Uhr) von zwei schwarz gekleideten Männern wahllos in die Menge der Pendler geschossen, ebenso in den Empfangshallen von zwei großen Hotels auf die dortigen Gäste und Personal. In den Hotels sowie anderen Stellen der Innenstadt wurden viele Geiseln genommen.
Im Einzelnen wurden das Leopold Cafe (bekanntes Touristenrestaurant; 21:15 Uhr; vier oder fünf Täter, acht Tote), eine jüdische Einrichtung im Nariman House (Chabad Centre Geiselnahme, 21:20 Uhr), der Bahnhof Chhatrapati Shivaji Terminus (zwei Täter, CST, 21:24 Uhr), das Hotel Hilton Trident Oberoi ⊙18.92722222222272.820555555556 (Geiselnahme, 21:35 Uhr) und das Hotel Taj Mahal Palace & Tower ⊙18.92166666666772.833333333333, das Krankenhaus Cama Albless Hospital (Frauen- und Kinderklinik, Geiselnahme; 22:15 Uhr, dieselben Täter, die bereits den Bahnhof überfallen hatten) angegriffen. Dort wurden drei Polizeibeamte und zwei Wachleute erschossen. Die Täter nutzten die Gelegenheit und stahlen das Polizeifahrzeug, mit dem die Polizisten dort angekommen waren. Sie schossen im Fahren in die Menge und töteten mindestens einen Menschen – ein IBN-Kameramann filmte den Angriff. Die Fahrt endete an einer Straßensperre, wo ein Täter erschossen wurde, ein anderer wurde verhaftet (22:50 Uhr). Um 21:55 Uhr explodierte ein Taxi bei Ville Parle (drei Tote).
Die Täter, die das Nariman House, einen Bürokomplex, zum Teil besetzten, warfen kurz vorher eine Handgranate auf eine nahegelegene Tankstelle, verfehlten aber das Ziel.
Zwischen 22:15 und 22:30 Uhr begannen Attentäter, auf Uniformierte zu feuern, die vor dem „Taj Mahal“-Hotel Position bezogen hatten. Nach Mitternacht Ortszeit brannte es nach einer Detonation im Taj-Mahal-Hauptgebäude. Im Hotel wurden mehrere Dutzend Geiseln von diesen bewaffneten Männern festgehalten.
Später wurden am Ufer der Stadt zwei Schnellboote gefunden, die von der Angreifergruppe verwendet worden sein könnten. Zu der Nachricht von einem verlassen vorgefundenen Schiff mit einem Toten an Bord, mit dem die Gruppe ihre Waffen an die Stadt herantransportiert haben könnte, gab es keine Bestätigung.
Am Donnerstag, den 27. November führten im Laufe der Nacht Polizei-Spezialeinheiten und Militärs in den beiden Hotels Kommandoaktionen durch. Dadurch konnten wiederholt Touristengruppen ins Freie gebracht werden. Um 8 Uhr Ortszeit war im Oberoi-Trident-Hotel eine Granatenexplosion zu hören, der weitere folgten. Spezialtruppen der Polizei stürmten die beiden Luxushotels, in denen sich einige Angreifer verschanzt hatten.
Am 28. November kamen bei der Befreiung des Chabad-Centres zwei Terroristen ums Leben und es wurden dabei fünf getötete Geiseln entdeckt. Im Hotel Taj Mahal verschanzte sich weiterhin mindestens einer der Terroristen mit zwei Geiseln. Anderen Berichten zufolge hätten sich dort noch mehrere der Täter aufgehalten.
Am 29. November, Samstag, wurde als letzter Tatort das Taj Palace nach einer gründlichen Durchsuchung um 8 Uhr durch die Polizei als gesichert bezeichnet.
Nach Angaben von Augenzeugen wurden die Geiseln gezielt nach ihrer US-amerikanischen oder britischen Staatsangehörigkeit unter den zufällig Anwesenden ausgewählt. Das Nariman-Gebäude, in dem sich ein jüdisches Gemeindezentrum befindet, sei ebenso als eines der Ziele ausgesucht und dort das Rabbiner-Ehepaar Holtzberg ermordet worden. Zu den Opfern im Taj Palace-Hotel zählt unter anderem der Unternehmer Ralph Burkei, der bei der Flucht vor den Angreifern tödlich verunglückte. Der Chef der Anti-Terror-Einheit (Mumbai ATS), Hemant Karkare, wurde bei dem Einsatz an der Cama-Klinik ermordet. Ihm war bereits am 15. September 2008 in einer Ankündigung eines Anschlags auf Mumbai namentlich gedroht worden. Die Zahl der Todesopfer wird offiziell am 30. November auf 174, die der verletzten Personen mit etwa 239 von etwas höheren Zahlen am Vortag korrigiert. Der Großteil der Todesopfer sind indischer Nationalität – darunter 17 der eingesetzten Polizeibeamten – und 18 Ausländer (deren Zahl wird zum Teil abweichend angegeben).
Zunächst hieß es, die Laschkar e-Taiba stehe hinter den Ereignissen, doch stritt diese Organisation eine Beteiligung ab. Nach einer E-Mail bekannte sich bei mehreren indischen Medien eine Gruppe namens Deccan Mujahideen für die Taten verantwortlich. Sie war bislang nicht bekannt und ist seither auch nicht mehr in Erscheinung getreten.
Die britische Tageszeitung The Independent berichtete, dass es sich bei den Angreifern um junge, südasiatische Männer gehandelt habe, die in der E-Mail Hindi geschrieben und einzelne Urdu-Begriffe verwendet hätten.
Bereits am 15. September berichtete die indische Zeitung Deccan Herald von einer per E-Mail an indische Medien versandte Anschlagdrohung einer islamistischen Gruppe namens Indian Mujahideen, jener Gruppe, die sich zu einer mehrmonatigen Anschlagserie in Delhi, Ahmedabad, Bengaluru und Jaipur mit über 130 Toten bekannt hatte. In ihrer Drohung bezog sie sich auf Razzien der Anti-Terror-Einheit Mumbai ATS in Ansarnagar, Mograpada in Andheri, bei denen Moslems misshandelt worden seien, und machte diese für einen kommenden Anschlag in Mumbai verantwortlich. Sie würden nur noch auf den richtigen Zeitpunkt zur Ausführung eines Anschlags in Mumbai warten, dessen Einwohner schon mal gewarnt sein sollten.
Nur einer der etwa zehn Täter, Ajmal Kasab, ein 21-Jähriger aus Faridkot, einem Dorf in Pakistan, konnte festgenommen werden. Der Prozess gegen Kasab begann im April 2009. Er legte in seiner Verhandlung ein umfassendes Geständnis ab und erklärte sich der bezichtigten Taten schuldig. Am 3. Mai 2010 wurde Kasab der maßgeblichen Beteiligung an den Anschlägen für schuldig befunden. Er habe gemeinsam mit einem Komplizen im Bahnhof Chhatrapati Shivaji Terminus 58 Menschen getötet und 104 verletzt. Als Strafmaß wurde am 6. Mai 2010 die Todesstrafe verhängt, die Anfang 2011 vom Bombay High Court bestätigt und am 21. November 2012 durch Hängen vollstreckt wurde.
Einer der Drahtzieher, David Coleman Headley, wurde im Oktober 2009 auf dem Weg nach Pakistan festgenommen. Headley war nicht direkt an der Ausführung der Anschläge beteiligt, kundschaftete aber auf seinen Reisen nach Mumbai mögliche Ziele aus. Interessant ist darüber hinaus seine Rolle als Informant der amerikanischen Drogenbehörde Drug Enforcement Administration (DEA), die nicht auf Warnungen in Bezug auf seine Radikalisierung reagierte.
Am 30. November und 1. Dezember 2010 nahm die spanische Polizei in Barcelona sieben Personen (sechs Pakistaner und einen Nigerianer) fest, die verdächtigt wurden, Geld und Pässe für den Anschlag organisiert zu haben. Außerdem wurden in der gleichen Operation in Thailand zwei Pakistaner und ein Thailänder festgenommen.
Die folgenden Täter wurden während des Angriffs getötet:
Nach Kritik am Krisenmanagement trat der Innenminister Shivraj Patil zurück, das Amt übernahm der bisherige Finanzminister P. Chidambaram. Auf Drängen seiner Partei stellte auch der Chief Minister Maharashtras Vilasrao Deshmukh sein Amt zur Verfügung.
Die in dem Bundesstaat Goa vor allem bei Touristen beliebten Goa-Partys am Strand wurden zeitweise aus Angst vor weiteren Anschlägen untersagt.
Der Verkauf von SIM-Karten wurde, insbesondere für Ausländer, deutlich erschwert, da sich die Attentäter unter anderem mit Hilfe solcher Chip-Karten anonym miteinander ausgetauscht hatten. In Kaschmir wurde der Einsatz von Prepaid-SIM-Karten im Jahr 2009 gänzlich verboten. Research In Motion, der Anbieter des Mobiltelefons Blackberry, räumte den indischen Behörden die Möglichkeit zum Mitlesen privater E-Mails ein, nachdem diese dem Unternehmen mit einem Verkaufsverbot des Geräts gedroht hatten.

Wiener Flaktürme

Die Wiener Flaktürme sind sechs große, aus Stahlbeton errichtete Abwehr- und Schutzbauten in Wien, die in den Jahren 1942 bis 1945 als riesige Luftschutzanlagen mit aufmontierten Flugabwehrgeschützen und Feuerleitanlagen erbaut wurden. Solche oberirdischen Schutzräume nannte und nennt man auch Hochbunker. Der Architekt der Flaktürme war Friedrich Tamms (1904–1980). Im Unterschied zu den Berliner und den Hamburger Flaktürmen sind die Wiener Flaktürme weitgehend unverändert erhalten.

Das System der Wiener Flaktürme besteht aus insgesamt sechs Bauwerken, drei Gefechtstürmen mit jeweils einem Feuerleitturm. Die drei Bunkerpaare sind in einem Dreieck angeordnet, in dessen ungefährer Mitte sich der Stephansdom befindet. Die Türme sind unterschiedlich hoch, ihre oberen Plattformen sind aber exakt auf demselben Niveau, was eine Koordinierung der von den Radaranlagen (Feuerleitradar) ermittelten Daten erleichterte (zum Stand der deutschen Radartechnik zu dieser Zeit siehe Würzburg (Radar)).
Der maximale Einsatzradius der vier Hauptgeschütze (12,8-cm-Flak-Zwilling 40) jedes Turmes betrug unter idealen Bedingungen 20 km. Die kleineren Plattformen der Gefechts- und Feuerleittürme waren für 2 cm-Flugabwehrgeschütze vorgesehen, doch wurden sie in Wien niemals verwendet, da tief fliegende Flugzeuge in den letzten Kriegsjahren nicht mehr auftraten.
Neben ihrer militärischen Besatzung dienten die Flaktürme in Wien als provisorische Spitäler, beherbergten Radiosender und teilweise kriegswichtige technische Betriebe und boten in großem Umfang Luftschutzräume für die Bevölkerung. Die gut sichtbaren schweren Beschädigungen eines der beiden Türme im Augarten sind die Folge einer Explosion im Jahre 1946. Spielende Kinder haben damals rund 2000 Stück 12,8 cm-Granaten in Brand gesteckt. Die Explosion hob nicht nur das Dach des Bunkers – das anschließend in seine Bettung zurückfiel – sondern zerstörte auch die Fensterscheiben in weitem Umkreis. Eine Beseitigung der Türme unterließ man wegen der Nähe zur Wohnbebauung. Heutzutage wäre eine Entfernung der Türme durchaus möglich, inzwischen stehen aber alle sechs Bauten unter Denkmalschutz (nur für die beiden Flaktürme im Augarten existiert ein Bescheid (GZ 39.086/2/2000 vom 5. April 2000)).
Heute befinden sich die Türme teilweise im Besitz der Stadt Wien und teilweise im staatlichen Besitz. Es hat mehrmals Versuche gegeben, die Flaktürme umzubauen und nutzbar zu machen. Die Ideen reichen vom Depot für Sicherheitskopien wichtiger Daten bis zu einem Kaffeehaus oder Hotel.
Während des Zweiten Weltkriegs wurde deutlich, dass Engländer und Amerikaner Luftangriffe, insbesondere Flächenbombardements, für ein Mittel hielten, Deutschland in die Knie zu zwingen (siehe auch Area Bombing Directive, 14. Feb. 1942, Ziel des Morale Bombing). Die Kapazität an Bombern nahm zu, ihre Reichweite ebenfalls. Gleichwohl lag Wien bis 1944 außerhalb der Reichweite der britischen Langstreckenbomber. Das änderte sich durch die Eroberung Italiens.
Am 9. September 1942 ordnete Hitler den Bau von Flaktürmen in Wien an. Die Luftwaffenführung sah dazu als Bauplätze die Schmelz, den Prater und Floridsdorf vor. Hitler lehnte diese Orte aber ab, da das Stadtzentrum durch die großen Abstände nicht ausreichend geschützt gewesen wäre. Nach Besprechungen mit Reichsstatthalter Baldur von Schirach wurden die endgültigen Standorte festgelegt. Drei Turmpaare mit einem Abwehrgeschützradius von etwa 20 km sollten ein Verteidigungsdreieck bilden, dessen Mittelpunkt der Stephansdom bildete: im Augarten, im Arenbergpark im III. Bezirk (Landstraße) und ein drittes im Esterházypark nahe der Mariahilfer Straße und im Hof der Stiftskaserne im VI. Bezirk. Statt des Augartens war allerdings anfänglich die Roßauer Kaserne im Gespräch. Maßgeblich für die Wahl der Plätze waren die leichte Verfügbarkeit des Grundes und die Möglichkeit, Bahnanschlüsse herzustellen. Der Plan sah vor, die Flaktürme nach siegreicher Beendigung des Kriegs mit Marmor zu verkleiden und als Denkmäler den gefallenen deutschen Soldaten zu widmen.
Wie bei allen Flaktürmen war Friedrich Tamms für die Planung verantwortlich, er wurde in Wien durch Anton Ruschitzka vertreten, die Bauleitung hatte Franz Fuhrmann vom Wiener Stadtbauamt inne. Die militärische Leitung lag bei Major Wimberger, der jedoch über keinen Einsatzstab verfügte. Die Materialbeschaffung erfolgte durch die NS-Bauorganisation Todt. Jedes Paar Flaktürme bestand aus dem großen, mit schwerem und leichten Geschütz versehenen Gefechtsturm sowie einem kleineren Leitturm für die Kommunikation und Suchscheinwerfer. Gegen Kriegsende waren die Türme eben erst funktionstüchtig. In ihnen waren neben militärischen Leitstellen auch Lazarette und Fabrikationseinrichtungen untergebracht. Sie dienten auch als Luftschutzkeller für die Menschen der Umgebung: in jedem Turm hatten bis zu 30.000 Personen Platz.
Mit dem Bau der Flaktürme wurden die Firmen Philipp Holzmann und Gottlieb Tesch beauftragt, wobei kleinere Betriebe über Arbeitsgemeinschaften eingebunden wurden. Da die Verfügbarkeit einheimischer Arbeitskräfte durch Einberufungen ständig abnahm, wurden im Verlauf des Krieges immer mehr Kriegsgefangene, Fremd- und Zwangsarbeiter eingesetzt.
Zement wurde vor allem aus Mannersdorf am Leithagebirge angeliefert, in geringerer Menge auch aus Rodaun. Der Schotter stammte aus den Schottergruben Padlesak in Felixdorf und Gustav Haager bei Heidfeld an der Preßburger Bahn, etwa im Bereich des heutigen Flughafen Wien-Schwechat. Sand wurde in Schiffen via Donaukanal angeliefert; im Bereich der Weißgerberlände wurden Sandsilos der Vereinigten Baustoffwerke AG errichtet. In diesem Bereich befand sich schon ab 1918 ein Anschlussgleis der Straßenbahn durch die Drorygasse. Dieses war seit 1925 stillgelegt; es wurde 1941 wiederhergestellt und im folgenden Jahr nach dem Bau eines weiteren Silos um zwei Gleise erweitert. Für den Abraum, der beim Ausheben der Fundamente anfiel, wurde bei der Kratochwjlestraße (damals Weissenbachstraße) im 22. Bezirk eine Deponie angelegt, die ebenfalls einen Straßenbahnanschluss erhielt.
Das Flakturmpaar im Wiener Arenbergpark (Bezirk Landstraße) trägt den Codenamen „Baldrian“. Die Errichtung fand von Dezember 1942 bis Oktober 1943 statt, wobei beide Türme in der Bauart II mit neun Stockwerken ausgeführt wurden. Zur Errichtung der Türme wurden zusätzliche Anschlussgleise im Aspangbahnhof angelegt. Von dort führte eine Feldbahn (Spurweite 600 mm) über die Strecke Aspangstraße–Steingasse–Klimschgasse–Eslarngasse–Barmherzigengasse zur Baustelle. Eine weitere Feldbahn mit einer Spurweite von 900 mm verlief über die Wassergasse und die Neulinggasse (damals Schredtgasse) zu den Flaktürmen. Dazu war es notwendig, das Haus Landstraßer Hauptstraße 94 abzureißen, um einen Durchlass zur Neulinggasse zu ermöglichen. Dieser wurde auch für ein Anschlussgleis der Straßenbahn, das von der Landstraßer Hauptstraße abbog, verwendet. In den Jahren 1954/55 wurde an dieser Stelle der Gemeindebau Kurt-Steyrer-Hof errichtet, wobei die Verbindung zur Neulinggasse aber bestehen blieb. Die zugehörigen Arbeiterlager befanden sich in der nördlichen Brigittenau.
Der Gefechtsturm ist der größte aller Wiener Flaktürme. Seine Mauern sind im Allgemeinen zwei Meter dick, in den obersten drei Stockwerken aber ungefähr sieben Meter. Außen um das Erdgeschoss befindet sich ein Gang, wodurch die gesamte Grundfläche 57,0 m × 57,0 m beträgt, während die eigentliche Seitenlänge des Turms um 10 m geringer ist. Die Umfassungsmauern der Geschützstände haben eine Dicke von vier Metern. Die Schutzdecke über dem achten Stockwerk ist zwischen 3,80 m und 4 m dick. Ursprünglich befanden sich auf dem Turm 8,8-cm-Zwillingsgeschütze, danach 10,5-cm-Geschütze, die erst später durch die 12,8-cm-Geschütze ersetzt wurden. Bis zum dritten Obergeschoss wurde der Flakturm als Bunker für Zivilisten verwendet, im vierten Stock befand sich ein Spital, im fünften eine Heizungs- und Belüftungsanlage und im sechsten ein Teil der Flugmotorenwerke Ostmark. Erst der siebente und der achte Stock wurde vom Militär verwendet, wobei im siebenten Geschoss auch noch Räumlichkeiten der Gaupropagandaleitung, der Kreisleitung, des Radiosenders Wien und von Siemens & Halske untergebracht waren. Eigentlich war vorgesehen, dass hier der Reichsverteidigungskommissar und sein Einsatzstab einziehen sollten, doch die Gauleitung bestand auf einem Bunker im Außenbereich der Stadt.
Nach dem Krieg wurde der Turm kurzzeitig von einem Pharmazieunternehmen verwendet und danach als Lager für Sanitätsmaterial des Bundesheeres benutzt, das ihn auch lange Zeit verwaltete, am 31. August 1990 ging die Verwaltung auf die Bundesgebäudeverwaltung über. Heute ist der Objekteigentümer des Gefechtsturms die Bundesimmobiliengesellschaft (BIG), obwohl er im Arenbergpark auf Grund der Stadt Wien steht (Superädifikat).
Die Mauern des Leitturmes sind zwischen 2 m und 2,50 m dick, die Decke ist etwa vier Meter dick. Im Keller befanden sich Anlagen zur Ent- und Versorgung, das Erdgeschoss diente als Krankenrevier, das aber nur vom Militär und von Verwundeten aus dem nahe gelegenen Krankenhaus Rudolfstiftung benutzt werden durfte. Die Stockwerke zwei bis fünf dienten als Schutzräume für die Zivilbevölkerung, wobei aber der dritte Stock mit einem Wasserbehälter, elektrischen Anlagen und der Lüftung belegt war. Im sechsten Stock gab es Mannschaftsräume, die Fernsprechvermittlung, das Munitionslager für die leichte Flak und weitere technische Räumlichkeiten. Der siebente Stock war für Rechenmaschinen vorgesehen. Außerdem gibt es dort einen Schacht bis zum Verdeck, der wohl zur Versenkung des Funkmessgerätes vorgesehen war. Im achten Stock befand sich die eigentliche Kommandozentrale. Der Leitturm ist heute vollständig im Besitz der Stadt Wien, für ihn zuständig ist die MA 34 (Bau- und Gebäudemanagement).
Der Leitturm beherbergt seit 1992 im Erdgeschoss ein Gerätelager der MA 42 (Stadtgartenamt) und wird seit 2002 für eine Antennenanlage verwendet. Wegen der hohen Luftfeuchtigkeit musste 1995 ein Ansuchen des Architekturzentrums Wien beziehungsweise 2000 eines des AKH abgewiesen werden, ihn als Lagerraum zu verwenden. Der Turm hat, von Brandschäden in einigen Räumen abgesehen, vollkommen intakte Innenstrukturen.
Ab 2014[veraltet] soll von einer eingemieteten IT-Firma ein Rechenzentrum betrieben werden.
In den Jahren 2005 und 2006 wurden vom Verein Faktum Flakturm organisierte Ausstellungen aktueller Künstler im Turm gezeigt. Des Weiteren wurde eine Historikergruppe mit Forschungsarbeiten beauftragt. Die Funde, die im Zuge dessen gemacht wurden, konnten bereits teilweise die eklatanten Wissenslücken über die Entstehungs- und Verwendungsgeschichte der Türme schließen, mussten aber jäh abgebrochen werden: aufgrund des abgelaufenen Nutzungsvertrags für die Gruppe im März 2007 und mangelnder sicherheitstechnischer Ausstattung für Ausstellungen wurde der Turm von der zuständigen Behörde (MA34) geschlossen. Nun kämpft die Gruppe um den neuerlichen Zugang zum Turm.
Der Gefechtsturm beherbergt zum einen heute ein Depot des Museums für Angewandte Kunst, zum anderen fungierte der Flakturm selbst als Kunstprojekt, genannt CAT – Contemporary Art Tower und war im Rahmen von Ausstellungen und Events begehbar. Aufgrund unvorhergesehener Sanierungsarbeiten ist der Gefechtsturm Arenbergpark bis auf weiteres geschlossen.
Dieses Flakturmpaar besteht aus dem Leitturm im Esterházypark (Bezirk Mariahilf) und dem Gefechtsturm in der Stiftskaserne (Bezirk Neubau). Die Türme wurden in der Zeit von Oktober 1943 bis Juli 1944 errichtet. Durch den fortschreitenden Krieg musste Stahl und Beton eingespart werden, was zur Entwicklung der Bauart III führte, die es nur in Wien gibt. Der Leitturm ist mit seinen elf Stockwerken höher gebaut als der Gefechtsturm mit neun Stockwerken, damit beide Türme trotz unterschiedlichem Bodenniveau auf derselben Seehöhe sind.
Was den Bau des Leitturms im Esterhazypark betrifft, sind keine besonderen Transporteinrichtungen bekannt. Für den Gefechtsturm wurde an der Nordseite des Westbahnhofs eine Umladeanlage errichtet, von der eine Feldbahn mit 600 mm Spurweite zur Stiftskaserne verlief. Die Streckenführung war Neubaugürtel–Seidengasse–Zieglergasse–Lindengasse–Stiftskaserne. Die Umwegfahrt über die Seidengasse war notwendig, weil es noch keine direkte Verbindung zwischen Lindengasse und Stollgasse gab. Um sich die Errichtung einer Kreuzung mit der Straßenbahn zu ersparen, wurden die Straßenbahngleise in der Stiftgasse einfach unterbrochen. Dafür existierten aber zwei Anschlussgleise der Straßenbahn direkt in die Kaserne, einer aus der nördlichen Stiftgasse und einer direkt aus der Mariahilfer Straße.
Die neue Bauart des Gefechtsturmes zeigt einen sechzehneckigen Grundriss, oberhalb der Plattform hat das Gebäude 32 Ecken. Er liegt genau in der Achse von Michaelerplatz, Burgtor und Maria-Theresien-Denkmal. Über seine Nutzung ist nur wenig bekannt, da Unterlagen nur unvollständig erhalten sind. Vom ersten bis zum vierten Stock diente er dem zivilen Luftschutz, wobei sich im vierten Geschoss auch Räume der Reichspost und für das Schnellkommando des Bürgermeisters befanden. Die darüber liegenden Räumlichkeiten waren dem Militär vorbehalten. Die Geschützstände waren mit einer Kuppel abgedeckt.
Der Gefechtsturm ist im Besitz der Republik Österreich, schließlich ist die Stiftskaserne eine militärische Bundeseinrichtung auf einem Bundesgrundstück. Somit wird er von der Heeresgebäudeverwaltung verwaltet. Er wird vom Kommando Führungsunterstützung des österreichischen Bundesheeres genutzt und ist als schnell erreichbare Notunterkunft für die österreichische Staatsspitze vorgesehen. Aufgrund dieser militärischen Nutzung und der damit verbundenen Geheimhaltung ist auch über seinen heutigen Zustand wenig bekannt.
Auch bei der neuen Bauart des Leitturms kam es zu Materialeinsparungen, doch sind die Unterschiede zur Bauart II geringer als beim Gefechtsturm. Am auffälligsten ist die Lage der Auskragungen der Plattform („Schwalbennester“) an den Ecken statt in der Mitte. Die Mauern haben eine Dicke von 2,50 m, die Schutzdecke über dem neunten Stockwerk ist 3,50 m dick, die oberste Decke aber nur 60 cm.
Der Eingang auf der Ostseite diente dem Militär, von den Eingängen auf der Westseite kam man in die Zivilschutzräume im dritten Obergeschoss. Im siebenten Geschoss befindet sich eine quadratische Öffnung (Seitenlänge 80 cm), die der Belüftung diente. Von der Öffnung führt ein Schacht nach unten, wobei die kalte, frische Luft durch Öffnungen in jedes Stockwerk strömte und als verbrauchte, warme Luft wieder aufstieg und den Turm durch eine Abluftöffnung verließ.
Der Leitturm, der im Esterházypark auf öffentlichem Grund der Stadt Wien steht, ist vollständig im Besitz der Gemeinde. Dementsprechend ist die MA 34 (Bau- und Gebäudemanagement) für ihn zuständig. In den 1950er und 1960er-Jahren war im Luftschutzkeller, der heute das Foltermuseum beherbergt, ein unterirdisches Jugendgästehaus (Jugend-Herberge) untergebracht. Von 1954 bis 1962 betrieb die Volkshochschule Wien West hier eine Volkssternwarte. Ab 1956 wurde er für das Haus des Meeres adaptiert, das seit 1958 hier seinen Sitz hat. Das Haus des Meeres ist ein privater Verein, der die Räume von der Gemeinde Wien angemietet hat. Es erhielt 1999 eine Erweiterung an der Außenseite um das „Tropenhaus“ nach der Planung von Wilhelm Holzbauer. 1991 wurde im Rahmen der Wiener Festwochen nach einem Projekt des amerikanischen Künstlers Lawrence Weiner ein markanter Anti-Kriegs-Spruch (Smashed to pieces in the still of the night/Zerschmettert in Stücke im Frieden der Nacht sowohl auf deutsch als auch auf englisch) am oberen Teil der Fassade angebracht. 1998 ließ der ÖAV eine Kletterwand an der Außenseite errichten. Im Keller ist seit 2000 ein Foltermuseum untergebracht.
Das Flakturmpaar im Wiener Augarten (Bezirk: Leopoldstadt) trägt den Codenamen „Peter“. Gefechts- und Feuerleitturm wurden in der Zeit von Juli 1944 bis Jänner 1945 nach Bauart III errichtet. Der Gefechtsturm ist mit seinen 13 Stockwerken um zwei Meter höher als der zwölfstöckige Leitturm, um deren Plattformen auf dasselbe Niveau zu bringen. Es handelt sich um die zuletzt errichteten, und dementsprechend am weitesten entwickelten Flaktürme des Dritten Reiches. Die Planung erfolgte nur mehr im Wiener Büro von Tamms. Besonders markant sind die Stahlbeton-Kragträger an der Außenseite für eine einfachere Wartung bzw. Reparatur der Plattformen.
Zur Errichtung wurde sowohl ein Eisenbahn- als auch ein Straßenbahnanschluss errichtet. Das Bahngleis zweigte vom Nordwestbahnhof ab, kreuzte die Gleise der Straßenbahnlinie 5 und führte danach direkt innerhalb des Augartens an dessen Rand entlang. Um sich eine zweite Kreuzung mit der Straßenbahn zu ersparen, wurde eine Gleisschleife der Straßenbahn abgetragen. Im Augarten gab es eine Abzweigung, die direkt zum Leitturm führte. Auf der gegenüber liegenden Seite des Augartens, etwa bei der Scholzgasse, begann ein Anschlussgleis der Straßenbahn, das direkt in die Eisenbahngleise mündete. Um die Gleise mit Straßenbahnfahrzeugen befahren zu können, wurden in die Herzstücke der Weichen nach Bedarf Passstücke eingelegt. Am 23. Oktober 1944 kam es allerdings zu einem Unfall, bei dem acht Menschen verletzt wurden. Da der Gefechtsturm nicht direkt an den Gleisen lag, wurde zusätzlich noch eine Feldbahn errichtet. Ein Teil der Anlagen wurde schon 1944 wieder entfernt, die USIA ließ den Rest 1948 abtragen.
Der Gefechtsturm ist der höchste aller Flaktürme. Ursprünglich waren nur zehn Stockwerke geplant, dies wurde erst Anfang 1944 abgeändert. Die Außenmauer ist 2,50 m dick, die Dicke der inneren Ringmauer bewegt sich zwischen 1,40 m unten und 1 m oben. Diese innere Mauer schließt jeweils zwei Treppenanlagen und zwei Aufzüge ein. Außen wurden zwei Munitionsaufzüge eingebaut, die in den elften Stock bis zur Plattform führten. Dort befanden sich Gasschleusen, Duschräume und eine Entgiftungsanlage. Vier Treppen führen von hier zu den höhergelegen Etagen und den Geschützständen. Die Decke hatte eine Dicke von 3,50 m und war spiralbewehrt. Zum Transport von Rohren und Geschützen gab es hier einen Kran. Die unteren Stockwerke wurden von Rüstungsbetrieben benutzt, in den ursprünglich nicht geplanten drei Geschossen erzeugte die Wiener Radiowerke-Aktiengesellschaft (WIRAG) nach einem Führererlass vom 30. Mai 1944 Röhren.
Der Innenraum des Gefechtsturmes ist stark beschädigt. Grund dafür ist, dass es am 21. November 1946 zu einer schweren Explosion der im oberen Stockwerk gelagerten Munition kam, ausgelöst durch spielende Kinder, die über den noch bestehenden Kran in den Turm gelangten und dort ein Feuer entzündeten. Sie konnten den Flakturm aber unverletzt verlassen. Im Frühjahr 2006 war der Turm über Monate hinweg großräumig abgesperrt, weil durch eine Schuttverlagerung im Inneren als Spätfolge der Explosion eine Außenwand nach außen gedrückt wurde. Dadurch bestand die Gefahr, dass eine Plattform einstürzen könnte.
Der Abstand des Leitturms zum Gefechtsturm beträgt etwa 400 m. Die Grundfläche beträgt 31 m × 18 m, während sich die Ausmaße in den oberen Stockwerken nur mehr auf 31 m × 15 m belaufen. Zwei Treppen führen von der Südseite durch Schleusen in den ersten Stock. An der Nordseite befinden sich zwei Notausgänge, die nicht in den Originalplänen aufschienen. Die Schutzdecke war wieder 3,50 m dick, das Funkmessgerät war auf diesem Flakturm nicht versenkbar. Auf der Westseite des Turmes befinden sich vom zweiten bis zum neunten Stock Öffnungen, deren Sinn nicht ganz klar ist. Im zwölften Obergeschoss ist ein Durchschuss zu sehen.
Beide Türme sind – ebenso wie der Grund auf dem sie stehen – im Besitz der Republik Österreich und werden von der Burghauptmannschaft verwaltet. Sowohl Leit- als auch Gefechtsturm stehen leer und werden nicht genutzt.
Seit März 2002 sind beide Türme an die Datenverarbeitungsfirma DCV vermietet, die sie in ein IT-Datencenter umbauen wollte. Der ursprünglich abschlägige Bescheid des Bundesdenkmalamts (sowohl die Flaktürme als auch der Augarten selbst stehen unter Denkmalschutz) wurde nach langem hin und her vom übergeordneten Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur aufgehoben. Dennoch dürfte dieses Projekt als endgültig gescheitert betrachtet werden: Seitens der Stadt Wien gibt es keinerlei Bestrebungen, Teile der historischen Parkanlage in Bauland umzuwidmen. Auch seitens der ansässigen Bevölkerung stieß das Projekt auf breite Ablehnung, da mit dem Ausbau des Gefechtsturms zu einem IT-Datencenter auch eine Aufstockung des Turm um drei vollverglaste, in der Nacht hell erleuchtete Stockwerke einhergegangen wäre. Weitere Kritikpunkte waren mit dem Projekt einhergehende Notwendigkeiten wie die Öffnung von Teilen des Augartens für Zulieferverkehr und die Abgasbelästigung durch Diesel-Notstromgeneratoren.
In der Floridsdorfer Gerichtsgasse 1B (48° 15′ 41″ N, 16° 23′ 48″ O48.26138888888916.396666666667) befindet sich ein unvollendeter Bunkerbau, der von der Grafik Wien (Stadtkartographie) teils als Flakturm, teils als Bunker bezeichnet wird. Der ursprüngliche Zweck des Baues war der Schutz der umliegenden Industrie- und Werksgebiete, insbesondere von Siemens und der Raffinerie, gegen Tieffliegerangriffe. Die Errichtung eigener Bunkeranlagen zur Verteidigung wäre aufgrund der umliegenden freien Wiesen im Hinblick auf den baulichen und betrieblichen Aufwand einer Flakturmanlage vermutlich in diesem Gebiet ohnehin nicht ökonomisch gewesen. Zwecks Errichtung dieses Baus wurde 1944 ein Straßenbahngleis von der Peitlgasse durch die Gerichtsgasse angelegt, das in Seitenlage auf Vignolschienen verlief.
Der Bau hat einen achteckigen Grundriss mit einer Seitenlänge von ca. 8,30 m, die Außenmauern sind 1,50 m dick. Im Inneren gibt es ein Stiegenhaus mit vier Treppen und einen runden Schacht mit einem Durchmesser von 1,30 m. Die Zwischendecken sind 30 cm dick, die oberste ist eingestürzt und ruht auf der Schalung, wobei der Zustand der Schalung auf einen Brand hinweist. Da die oberste Decke keine Schutzdecke ist, waren wohl noch weitere Stockwerke geplant. Das Gebäude hat zahlreiche Öffnungen auf der Außenseite und von den ehemals sechs Zugängen sind heute fünf zugemauert. Seiner äußeren Erscheinung nach steht der Bunker heute leer.
Es gibt eine lange Geschichte fruchtloser Bemühungen um eine Umnutzung der Flaktürme nach 1945. Diese betrifft vor allem das Türmepaar im Arenbergpark und den Turm im Esterhazypark.
Als Proponenten solcher Projekte der Umnutzung treten in der Regel (Ausnahme Augarten) mehr oder weniger finanzstarke Private auf, auch die Wiener Stadtplanung scheint wohlwollend gestimmt. Als Gegner derartiger Vorhaben hat sich in den letzten Jahren das Bundesdenkmalamt profiliert. Der anfänglich vielfach geforderte Abriss erwies sich als zu teuer.

Fritz Weiss (Bandleader)

Fritz Weiss (* 28. September 1919 in Prag; † 4. Oktober 1944 im KZ Auschwitz) war ein tschechischer Swing-Bandleader im KZ Theresienstadt.

Weiss war früh ein Swing-Fan und spielte Trompete, als er noch Schüler an der International English Grammar School in Prag war. Als nach der Besetzung durch die Nationalsozialisten 1939 viele Schulen und Universitäten geschlossen wurden, wurden aus Studenten vielfach professionelle Jazzmusiker. Auch die Emil Ludvík Band, deren musikalischer Leiter und Arrangeur Weiss insgeheim war (als Jude durfte er das nicht offiziell sein und nicht einmal öffentlich auftreten), entstand aus diesen Studenten- und Schülerbands. Die Band machte 1941 auch Aufnahmen mit den Arrangements von Weiss. 1942 wurde Weiss nach Theresienstadt deportiert, konnte aber den Kontakt mit seiner alten Band in Prag aufrechterhalten und Arrangements austauschen. Im Ghetto Theresienstadt gründete er die „Ghetto Swingers“, in der auch ehemalige Mitspieler aus Prag waren. Die Duldung derartiger kultureller Aktivitäten in Theresienstadt sollte Besuchern aus dem Ausland humane Haftbedingungen in Konzentrationslagern vorgaukeln. Für den 1944 in Theresienstadt unter der Regie von Kurt Gerron gedrehten Film, der später auch als „Der Führer schenkt den Juden eine Stadt“ bekannt wurde, spielten die „Ghetto Swingers“ die Musik ein.
In den „Ghetto Swingers“ spielten Pavel Kohn, Gokkes und Erich Vogel Trompete, Fritz Taussig Posaune, Fritz Weiss Klarinette, Vodnansky Altsaxophone, Donde Tenorsaxophon, Pavel Libenský Bass, Nettl Klavier, Frenta Goldschmidt Gitarre und Coco Schumann Schlagzeug. Außerdem spielten im Lauf der Zeit noch mit der Pianist Brammer, der Schlagzeuger Kurt Bauer, der Bassist Fasal, Fredy Mautner an der Posaune (1943), Langer an der Klarinette und dem Tenorsaxophon, Jetti Kantor (Geige) und Fredy Haber (Tenor).
1944 wurde Weiss nach Auschwitz deportiert. Angeblich schloss er sich bei der Selektion auf der Rampe seinem alten Vater an, der als „arbeitsunfähig“ in die Gaskammern geschickt wurde.
Als Nachfolger von Weiss hatte 1944 Martin Roman die Leitung, der auch ein Kabarettprogramm für Theresienstadt schrieb („Karussell“).

Pilatus PC-10

Pilatus PC-10 war die gemeinsame Bezeichnung unterschiedlicher Entwürfe für ein zweimotoriges Flugzeug des Herstellers Pilatus Aircraft, von denen jedoch keiner die Produktionsreife erreichte.

Der erste Entwurf war im Prinzip eine unveränderte Pilatus PC-8D, die anstelle der Kolbenmotoren mit Propellerturbinen ausgestattet gewesen wäre.
Unter der Bezeichnung PC-10 Minitwin wurde eine Maschine für 11 Personen entworfen, die auf der linken Hinterrumpfseite über ein Frachttor mit integrierter Passagiertür verfügte. Das Flugzeug hatte eine projektierte Gesamtlänge von 11,44 m und eine von Höhe 4,75 m bei einer Spannweite von 16 m.
Unter der Bezeichnung Twin Projekt PC-10 wurde ein etwas grösseres Flugzeug entworfen, das lediglich auf der linken Rumpfseite über eine Passagierschiebetüre verfügte, die sich nach hinten öffnete. Dafür war im Rumpfheck eine Laderampe integriert. Das Flugzeug hätte eine Gesamtlänge von 13,50 m, eine Höhe von 6,08 m und eine Spannweite von 19 m gehabt. Die Maschine sollte 16 Personen oder knapp 2 Tonnen Fracht transportieren können. Si wäre mit einem festen Bugfahrwerk ausgestattet worden und von zwei Garrett AiResearch TPE-331 oder Pratt & Whitney PT6A-27 Turboproptriebwerken angetrieben worden. Äusserlich glichen die beiden letztgenannten Entwürfe bezüglich Fahrwerk, Tragflächen und Triebwerksanordnung stark der DHC-6 Twinotter, jedoch handelte es sich beim Höhenleitwerk als augenscheinlichem Unterschied um eine vergrösserte Ausführung der bei der Pilatus PC-6 und Pilatus PC-8 Twin Porter verwendeten Auslegung, das über keine Pfeilung verfügt. Das Projekt wurde nicht weiterverfolgt.
Externale Bilder
Baureihen:  P-1 | SB-2 | P-2 | P-3 | P-4 | P-5 | PC-6 | PC-7 | PC-8D | PC-9 | PC-10 | PC-11 | PC-12 | PC-21 | PC-24